von Wilmersdorff

Noch an seinem letzten Geburtstag, am 20. Oktober 1801, erhielt Leopold Heinrich von W. ein Gedicht mit dem Titelblatt:
Unserem guten Onkel und Großonkel
Leopold Heinrich von Willmersdorf,
Erbherr der Stadt Teltow, Markee pp.
zum Geburtstag gewidmet von
Leopold Heinrich und Henriette von  R a n d o w
nebst ihren Kindern:
Henriette, Ludwig, Fritz, Ottilie, Robert Conrad und Auguste.
Bogschütz, den 20. Oktbr. 1801
Umsonst kann man auf dieser Welt
Nichts haben als den Tod,
Und höchstens, wenn‘s dem Glück gefällt,
Vorher ein wenig Noth.

Drum, Onkel fordr‘ ich mein Sold,
wenn ich dir wünschen soll;
Doch wisse: Perlen, Stein und Gold,
Die wiegen mir nicht voll.

Nun, guter Onkel! höre dann
den frommen Wunsch mit an,
Den ich Dir heut‘, Dir braver Mann,
Mit Recht nur bringen kann.

Gott hat der reinen Freuden viel
Den Guten ausgesät
Und wer sie pflegt, der hat am Ziel
Die Früchte abgemäht.

Wer bei den Menschen Leiden weint,
Wer hülfreich früh und spat
Wem Gottes warme Sonne scheint,
Der pflegt die schöne Saat.

Das alles hast Du stets getan,
Von Eigennutz so rein,
Drum mähe, sammle, braver Mann,
Die schönsten Freuden ein.

Der Schöpfer segne Deinen Pfad
Mit froher Seligkeit,
Und schenke Dir von jener Saat
Die Frucht Zufriedenheit.

Nun, lieber Onkel! bleib mir hold,
Dies fordr‘ ich heut allein
Und lehre mich, das sei mein Sold,
Wie Du, so gut zu sein.